Deutschland kann nix mehr
Scheiternde Großprojekte und politische Kapitulation.
Vor ein paar Tagen hat Ursula von der Leyen den deutschen Atomausstieg rückblickend als strategischen Fehler bezeichnet. Eine bemerkenswerte Aussage, besonders aus dem politischen Umfeld, das den Ausstieg einst mit großem Pathos verkauft hat.
Währenddessen steigen die Energiepreise, energieintensive Unternehmen wandern ab und Arbeitsplätze verschwinden gleich mit. Deutschland entdeckt gerade schmerzhaft, dass industrielle Produktion ohne bezahlbare Energie eher schwierig ist.
Ich halte den Atomausstieg ebenfalls für einen Fehler, vor allem, weil er vollzogen wurde, ohne dass tragfähige Alternativen bereitstanden. Stattdessen laufen Kohlekraftwerke länger und neue Gaskraftwerke müssen gebaut werden. Teurer wird es so oder so.
Viele Medien bemühten sich anschließend, das Thema möglichst klein zu halten. Und auch Friedrich Merz erklärte sinngemäß: Ja, der Ausstieg war wohl ein Fehler! Aber Atomkraft sei nun eben erledigt!
Mit anderen Worten: Fehler erkannt. Korrektur ausgeschlossen!
Deutschland und die Angst vor großen Projekten
Interessant wurde die Debatte dann auf Twitter. Dort tauchte ein Argument auf, das man inzwischen erstaunlich oft hört:
Deutschland könne solche Projekte ohnehin nicht mehr.
Als Beleg werden dann Klassiker der deutschen Baukultur genannt:

Die Botschaft dahinter ist bemerkenswert:
Lasst es lieber gleich bleiben. Wir kriegen das sowieso nicht hin.
Das ist ungefähr so motivierend, wie einem Kind zu sagen:
„Lern gar nicht erst Fahrradfahren. Du wirst sowieso hinfallen.“

Die Republik der verhinderten Bauvorhaben
Auffällig ist übrigens: Viele dieser Projekte (alle?) sind staatlich organisiert oder politisch gesteuert. Und genau dort scheint inzwischen eine erstaunliche Kombination zu wirken aus Bürokratie, Angst vor Entscheidungen, Klageverfahren und politischer Risikoaversion.
Aktuell wird in Berlin sogar ein Bauprojekt am ehemaligen Flughafen Tegel ausgebremst – wegen Feldlerchen.
Nicht wegen Finanzierung. Nicht wegen Technik. Sondern wegen Vögeln.
Deutschland diskutiert inzwischen nicht mehr darüber, wie man Projekte baut.
Sondern darüber, warum man sie besser gar nicht erst anfangen sollte.
Fazit
Ob Atomkraft nun sinnvoll wäre oder nicht, kann man diskutieren.
Aber ein Land, das sich selbst einredet, große Projekte grundsätzlich nicht mehr hinzubekommen, hat ein deutlich größeres Problem als jede einzelne Technologieentscheidung.
