Zweite Entlassungsrunde: Die Einschläge kommen näher

Nach zwei Jahren Kurzarbeit und einer ersten Welle des Stellenabbaus geht es nun in die nächste Runde: Knapp 20 % der Belegschaft müssen gehen. Während die erste Phase noch auf Freiwilligkeit, Vorruhestandsregelungen und Abfindungsangeboten basierte, folgen nun die betriebsbedingten Kündigungen.

Hier greift die gesetzliche Sozialauswahl, was das im Detail bedeutet, wird sich zeigen. Meine Einschätzung? Es kann jetzt jeden treffen, völlig unabhängig von der individuellen Arbeitsleistung oder der Wichtigkeit aktueller Projekte. Ich vermute dahinter den harten Druck der Banken: „Hier sind eure Einnahmen, da eure Ausgaben, baut Stellen ab, sonst sehen wir unser Geld nicht wieder.“

Die Stimmung im Unternehmen ist entsprechend gedrückt. Details sollen in Kürze folgen. Damit reiht sich mein Arbeitgeber nahtlos in die Riege der Firmen ein, die massiv Personal abbauen oder direkt Insolvenz anmelden, oder, wie es politisch korrekt mal hieß: „vorübergehend aufhören zu produzieren“.

Die Krise nährt die Krise

Diese Entwicklung wird die Gesamtlage weiter verschärfen. Wer direkt von Arbeitslosigkeit bedroht ist, stürzt sich nicht gerade voller Vorfreude in den Konsum. Das alte Auto muss dann eben noch ein paar Jahre halten. Wir werden bald vermehrt hören, dass es Gastronomie und Einzelhandel schlecht geht, weil die Menschen genau dort zuerst sparen. Wenn selbst Discounter wie Kik Probleme haben, ihre Ware abzusetzen, spricht das Bände.

Kurzum: Was auf Firmenebene passiert, setzt sich im Privaten fort. Jeder hält sein Geld zusammen. Auch ich rechne gerade alles durch, mit dem Ziel, meine Fixkosten um mindestens 100 Euro pro Monat zu senken.

Für den Staat sind das ebenfalls düstere Aussichten. Zu den wegbrechenden Konsumsteuern kommt der Umwandlungsprozess von Steuerzahlern zu Leistungsempfängern. Weniger Steuereinnahmen, sinkende Sozialversicherungsbeiträge, ob die Politik hierfür Lösungen parat hat? Ich habe große Zweifel. Ich erwarte eher den reflexartigen Ruf nach höheren Abgaben für diejenigen, die noch Arbeit haben. Echte Ambitionen oder strukturelle Lösungen sehe ich derzeit nicht.

Vorbereitung ist alles

Trotz der Lage bin ich froh, dass mich ein potenzieller Jobverlust nicht mehr so hart treffen würde wie in früheren Krisen. Die Dividenden fließen, und obwohl mein Nebengewerbe derzeit etwas ruhiger läuft als in den Vorjahren, wären „Kost und Logis“ dadurch gedeckt. Ich stünde nicht unter dem massiven Druck, mir sofort einen neuen Job suchen zu müssen.

Da ich keine Schulden oder großen Verpflichtungen habe, schlafe ich deutlich ruhiger als jemand mit einem hohen Immobilienkredit. Mein Depot und mein Nebengewerbe sind meine persönliche Arbeitslosen- und Grundsicherung. Das ermöglicht zwar kein Leben auf großem Fuß, aber es bietet Sicherheit. Zudem stecken in meinem Nebengewerbe noch viele Ideen, die bisher nur aus Zeitmangel liegen geblieben sind.

Ungewissheit bleibt

Ganz spurlos geht die Situation dennoch nicht an mir vorbei. Neben der finanziellen Absicherung merke ich, dass auch die mentale Einstellung zählt. Ein Job ist schließlich mehr als nur Broterwerb: Er bedeutet Alltag, Struktur, Herausforderungen und den Austausch mit Kollegen. Meine größte Sorge bei einem plötzlichen Aus wäre fast schon banaler Natur: dass ich daheim ohne feste Struktur „verlottere“. Dennoch ist es ein unbezahlbares Gefühl zu wissen, dass das Fundament im Ernstfall steht.

5 Kommentare

  • Paul

    Sehr guter Artikel mit sehr guten Bildern. Ich kann alles unterschreiben. Zur Zeit sieht’s überall ziemlich mau aus. Das zeigen auch Statistiken.
    Ich habe auch schon sehr früh angefangen, meine Fixkosten zu senken und Einkommen außerhalb meines Berufs zu generieren. Das gibt ein beruhigendes Gefühl.
    Eine Struktur ins Leben zu bringen, ist sehr wichtig, damit man nicht „verlottert“. Das erfordert Selbstdisziplin und ist individuell. Viel Glück. Paul

    • admin

      Danke Dir. Nebengewerbe bringt ja schonmal bissel Routine und Beschäftigung rein und macht mir ja auch Spaß. Wenn ich mal ne Woche Resturlaub habe und dann in Ruhe werkeln kann, finde ich das perfekt. Ob mir nach einem Jahr halt die Decke auf dem Kopf fällt, findet man halt erst raus, wenn man es probiert. Aber mal abwarten, noch ist nix entschieden in der Firma.

  • Thomas

    Hi,

    vielen Dank für den tollen Artikel. Ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen da sich die sehr mit meinen decken. Mich interessiert deine Einschätzung sehr: Glaubst du, dass in Zeiten knapper Ressourcen der Schutz des Einzelnen gegenüber dem Kollektiv standhält? Bleibst du da optimistisch, oder ist für dich ein Plan B zur Absicherung deiner Vorsorge unerlässlich?

    Vielen Dank!
    Grüße, Thomas

    • admin

      Servus Thomas, ich denke da wird es noch einige Verteilungsvorstellungen geben. Wer was hat, dem kann genommen werden. Sehen wir ja schon, Stichwort Sozialabgaben auf Kapitalerträge, Selbstständige sollen in die Rente einzahlen. Da werden eher zusätzlich Begehrlichkeiten geweckt werden. Echte Reformen tun weh, die Politik wird versuchen es sich einfach zu machen.
      Einen Plan B? Habe ich ehrlich gesagt nicht. Auswandern? Hätte ich nur bedingt Bock auf.
      Bleibe dennoch optimistisch, wird wieder besser werden, aber derzeit habe ich das Gefühl, dass uns noch jede Menge Jammertal bevor steht.

  • Compounder

    Ich verstehe deine Gedanken sehr gut. Ich war selbst mit Mitte 40 insgesamt zweieinhalb Jahre raus – erst anderthalb Jahre krank, danach arbeitslos.

    Und ganz ehrlich: Der Absturz blieb aus.
    18 Monate Krankengeld, danach 12 Monate Arbeitslosengeld. Ab 50 sind es sogar bis zu 18 Monate ALG I. Das sind im Zweifel fast drei Jahre Zeit, die man nicht sofort existenziell unter Druck steht.

    In meinem Fall war es sogar so, dass ich vorher als LKW-Fahrer 12–15-Stunden-Tage gemacht habe und mich eher selbst ausgebeutet habe. Die Pause war unfreiwillig – aber sie hat mir auch Raum gegeben. Raum zum Nachdenken, Weiterbilden, Neujustieren.

    Ich habe in der Zeit gemerkt: Man fällt nicht automatisch ins Bodenlose. Das System trägt erstmal. Und das verschafft Zeit – und Zeit ist enorm wertvoll.

    Heute mache ich Dinge, die mir mehr entsprechen als früher. Das hätte ich mir mitten im Dauerstress gar nicht vorstellen können.

    Deshalb würde ich deine Situation nicht nur als Risiko sehen. Selbst wenn es zu einem Cut kommt: Du hättest Zeit. Und mit deiner Vorbereitung sowieso.

    Manchmal entstehen aus solchen Phasen Entwicklungen, die man vorher nie geplant hätte.

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