Meine erste „Spaßaktie“ in der Krise: Steht die Aktienbrauerei Kaufbeuren vor dem Aus?

Stell dir vor, es ist Sommer im Allgäu, das Festzelt steht, aber der Zapfhahn für das Aktienbier bleibt trocken.

Genau das könnte dieses Jahr Realität werden: Vertriebsmitarbeiter der Brauerei sollen Veranstaltern bereits mitgeteilt haben, dass sie Lieferungen für größere Sommerfeste ab Mai wohl nicht mehr garantieren können. Die Aktienbrauerei Kaufbeuren steckt tief in den roten Zahlen, und das schon seit Jahren.

Ehrlich gesagt kenne ich kaum noch andere Meldungen über unsere kleine Brauerei hier vor Ort. Dabei war die Aktienbrauerei mal eine meiner allerersten Einzelaktien. Für mich war es immer eher eine „Spaßaktie“, perfekt für die Hauptversammlung zu Bier, gutem Essen und um ein wenig lokale Verbundenheit zu spüren. Doch von diesem lokalen Charme ist hinter den Kulissen wenig übrig geblieben.

Komplizierte Eigentümer und eiskaltes Kalkül

Eigentümermäßig ist es ein komplexes Konstrukt: Es gibt die Aktienbrauerei AG, die sich mittlerweile vor allem mit Immobilien befasst und nur noch zu knapp 30 % an der eigentlichen Brauerei-GmbH beteiligt ist. Beide Gesellschaften gehören zu großen Teilen ausländischen Investoren, genauer gesagt der britischen Konsumgüter-Gesellschaft ROK Stars und dem JP’s Nevada Trust des US-Milliardärs John Paul DeJoria.

Bei der AG gehören mittlerweile über 95 % der Aktien diesen Großinvestoren. Im Grunde könnten sie die Kleinaktionäre einfach vor die Tür setzen. Meine Vermutung ist, dass es einfach für die Öffentlichkeit besser aussieht, wenn man eine kleine Hauptversammlung abhält, die Aktionäre ein bisschen bewirtet und so den lokalen Charme aufrechterhält. Schaut man jedoch in die Geschäftsberichte der AG, wird die Brauerei-GmbH dort nur noch als „belastende Beteiligung“ aufgeführt.

Der Hinweis auf eine „positive Zukunftsprognose“ fehlt in den jüngsten Berichten komplett. Es heißt sogar, die englischen Investoren seien vor allem an dem „verkaufsfördernden Etikett 700 Jahre Brautradition“ interessiert, um ihr „ABK-Beer“ international zu vermarkten.

Woran scheitert es vor Ort?

Man wollte international durchstarten, deshalb prangt nun auch das hippe „ABK“ auf den Flaschen. So richtig geklappt hat das bisher aber nicht. Und vor Ort? Da hat man sich sprichwörtlich die Butter vom Brot nehmen lassen. Der Markt ist hart umkämpft. Aktienbier ist vergleichsweise teuer und es gibt viele andere Marken, die günstiger sind.

Viele alteingesessene Kneipen haben längst kein Aktienbier mehr im Angebot, sondern zapfen mittlerweile Konkurrenten wie Falkensteiner. Das Produktportfolio ist vielleicht auch einfach zu breit, es gibt zu viele Sorten.

Dazu kommen die handfesten, hausgemachten Probleme: Laut Berichten leidet das operative Braugeschäft unter finanziellen Altlasten und einem massiven Sanierungsstau an den Geräten und Anlagen.

Wie geht es weiter?

Die Lage ist mittlerweile so ernst, dass sich sogar die Politik eingeschaltet hat. Am Ende droht hier nicht nur eine Traditionsmarke zu verschwinden, sondern auch ein wichtiger Arbeitgeber für die Region.

Vielleicht kaufe ich diese Woche doch mal wieder einen Kasten…

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