Hauptversammlung Allgäuer Brauhaus AG 2026
Weniger Bierkonsum in Deutschland: Ich prangere das an!
Die Anreise war ein perfektes Spiegelbild unserer Zeit: Mit der Bahn ging es nach Kempten, natürlich begleitet von Verzögerungen wegen eines „fehlgeschlagenen Software-Updates„. Willkommen in der modernen Welt. Doch am 24.06.2006 wartete in der BigBox Kempten glücklicherweise ein Stück solide, analoge Tradition auf mich: Die Hauptversammlung der Allgäuer Brauhaus AG. Für mich die erste hier – und endlich mal wieder eine echte Brauerei. Während Namen wie Hasen in Augsburg oder Sedlmeyer in München das Ursprüngliche des Bierbrauens längst hinter sich gelassen haben und eher Immobilien verwalten, geht es hier noch ums Flüssige. Selbst die Aktienbrauerei Kaufbeuren widmet sich lieber den Immobilien.
Mit am Start war Martin vom Börsenstammtisch, der ebenfalls von der HV berichtet.

Doch auch hier regiert nicht nur ungetrübte Bierseligkeit. Guido Mockel eröffnete die Veranstaltung trotz Hitze und der Einladung, sich doch erst einmal ein kühles Getränk zu schnappen, mit Sorgenfalten.
Die Lage der Nation: 600 Millionen leere Maßkrüge
Statt dröger Formalitäten gab es von Mockel erstmal einen ehrlichen, nachdenklichen Vortrag zur Gesamtlage. Neben den obligatorischen Krisen wie Ukraine und Iran legte er den Finger in eine viel tiefere Wunde: die gefühlte Bedrohungslage der Deutschen, die absolute Konsumunlust und die dramatische Veränderung der Gastronomie.
Die harten Fakten der Branche tun weh: Die Inlandsbierbasis ist um satte 5,8 % gesunken (alkoholfreies Bier nicht einmal mitgerechnet). Der wahre Skandal dabei? Sogar in Bayern wird weniger getrunken! Unterm Strich blieben letztes Jahr unfassbare 600 Millionen Maßkrüge ungefüllt. Eine Tragödie. Bei den Hausmarken spiegelt sich das ebenfalls wider: Das traditionelle Büble Bier ist rückläufig, lediglich das trendige Oberdorfer Hell verzeichnet noch ein Plus. Ein Ladenbier.

Woran liegt’s? Biertrinken wird in Deutschland zunehmend als „erklärungsbedürftige Handlung“ wahrgenommen. Die Politik und Medien hauen unermüdlich in die Gesundheitskerbe: Zuckerabgabe, Alkoholsteuer, der Bürger soll bitte staatlich verordnet gesund leben.

Willkommen in der Verzichtsreligion
Der Konsument macht dieses Spielchen brav mit. Wir leben im Zeitalter der Selbstoptimierung und der medialen Gesundheitspäpste. Die Liste der Todsünden wird täglich länger: Wir sollen auf Zucker verzichten. Kaffee ist angeblich schädlich. Wir müssen uns klimaneutral ernähren. Das Auto muss stehen bleiben. Palmöl tötet. Und Fleischesser sind ohnehin das personifizierte Böse.
In dieser lustfeindlichen Verzichtsreligion bleibt immer weniger Platz für traditionelle Bierkontexte. Das Feierabendbierchen? Der Frühschoppen am Sonntag? Der gesellige Stammtisch? Sterben aus. Dabei war Bier laut Mockel immer ein „Gemeinschaftskatalysator“, gerade in schwierigen Zeiten. Heute sitzt man lieber allein mit der Fitness-App auf dem Sofa.

Dazu kommt die nackte wirtschaftliche Realität: Die Wirtschaft schwächelt auf breiter Front. Gut laufen derzeit nur straßen- und bahnbasierte Projekte – also das, was vom Staat finanziert wird. Dem Bürger sitzt das Geld nicht mehr so locker im Portemonnaie. Bei der Gastro lässt sich leicht sparen, für daheim tut es dann eben der billige Kasten vom Discounter. Wir verlieren schlichtweg unsere Biertrinker.
Alkoholfreies Wasser und knuspriges Backhendl
Der anschließende Vorstandsbericht haute in dieselbe Kerbe. Ein schlechtes Jahr für die Brauer. Besonders bitter: Junge Leute trinken weniger und wachsen so gar nicht erst als neue Konsumenten nach.
Der angebliche Heilsbringer? Alkoholfreies Bier. Die Realität ist aber: Dieses teuer herzustellende Wasser mit etwas Biergeschmack kann die massiven Verluste des echten Bieres niemals ausgleichen. Klar, der Pranger zischt an einem geselligen Abend auch gerne mal seine 5-6 Bierchen. Bei den alkoholfreien Varianten? Na gut, eins, vielleicht zwei – dann reicht es aber auch.
Immerhin gab es auch Positives: Berichte über neue Investitionen, schicke Imagefilme und das beruhigende Gefühl für die Aktionäre, dass am Ende des Tages immerhin noch ein Gewinn erwirtschaftet wird.
Danach kam der wichtigste Teil: Die Generaldebatte wurde zügig abgehandelt, denn der Magen knurrte. Es gab Backhendl mit Gurkensalat, danach Käsekuchen. Eine vegane Alternative? Fehlanzeige. Und das war auch gut so, passend zum inoffiziellen Motto des Tages: Die Verzichtsreligion findet woanders statt. Beschwert hat sich niemand. Im Gegenteil, es war verdammt lecker, und während der gesamten Veranstaltung ließen wir uns standesgemäß ein Bier nach dem anderen servieren.

Fazit: Hoch die Tassen!
Es bleibt ein trübes Bild für die Brauereien. Meine These: Die Branche muss sich auf weitere Verluste einstellen. Kleinere Brauereien werden unweigerlich verschwinden, und für die großen Überlebenden „wird’s dann schon passen“.
Trotz der düsteren Aussichten hat mir der Auftritt des Vorstandes extrem gut gefallen. Statt weichgespülter Political Correctness und Ausreden gab es Klartext – und am Ende hieß es: Hoch die Tassen!
Welches Beitragsbild oder welche Fotos von der Hauptversammlung planst du, in diesen Blogartikel einzubinden, um die Atmosphäre noch besser zu unterstreichen?

Weitere Bilder


Hallo Andy,
Büble kenne ich gut. Wird bei uns, Großraum Stuttgart, auch überall in den Supermärkten angeboten. An mir kann’s nicht liegen, dass die Inlandsbierbasis sinkt. Vor allem bei diesem Wetter.
Viele Grüße
Paul